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Der Bann des Fremden: Die fotografische Konstruktion des »Zigeuners«

Göttingen: Wallstein Verlag (2014), 568 pp.

Contains photographies, bibliogr. pp. 497-561

Table of contents: https://d-nb.info/105061786X/04

ISBN 978-3-8353-1578-5; 3-8353-1578-1

"Wer Fotos von »Zigeunern« betrachtet, knüpft an ein kollektiv geteiltes, vermeintliches Wissen an: Eine jahrhundertealte Ikonografie des »Fremden« macht den »Zigeuner« zur Projektionsfläche für Überlegenheitsfantasien und Angstbilder, aber auch für erotische und exotische Sehnsüchte. Frank Reuter zeichnet die Genese des fotografischen »Zigeuner«-Bildes nach und macht Verbindungslinien zur Kunst und Literatur sichtbar. Dabei nimmt er ganz unterschiedliche Medien und Formate in den Blick: vom Schulbuch bis zur Bildpostkarte, vom populären Magazin über das Propagandafoto bis zum privaten Schnappschuss von der Front. Der Autor untersucht an exemplarischen Bildbeispielen die Stigmatisierungsmuster, die dem Konstrukt »Zigeuner« zugrunde liegen und die bis heute wirksam sind. Dabei geht es immer auch um die konkrete Verwendung der Fotografien und um ihre gesellschaftlichen Funktionen. Einen Schwerpunkt bildet die »Zigeuner«-Fotografie im Nationalsozialismus, deren Wurzeln Reuter in der ethnologischen, kriminologischen und anthropologischen Fotografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts freilegt." (Verlagsbeschreibung)
"„Der Bann des Fremden“ bietet erhellende Abrisse zur Historischen Bildforschung und Visual History, über ‚Zigeuner‘-Diskurse, Antiziganismus sowie über die Zusammenhänge von Stereotypisierung und Moderne innerhalb der ethnografischen Visualisierung mit der Kamera – im Verbund von Wissenschaft und medialer Aufnahme im Forschungsfeld: „So wie der Ethnologe dem letzten archaischen Volk des europäischen Kontinents seine kulturellen Geheimnisse zu entlocken sucht, auf der Suche nach dem Ursprung des Menschen, dient das Kameraauge dazu, den ‚Zigeuner‘ anthropologisch zu fassen und festzuschreiben.“ (S. 82) Hierzu sei bemerkt, dass die fotografische Aufnahme durchaus auch in anderen Bereichen lang anhaltende Stereotype beförderte, etwa in der Trachten- und Brauchforschung volkskundlich-ethnografischer Provenienz. In seinem minutiösen Vorgehen zeichnet der Autor die Herangehensweisen der Täter nach und beschreibt die Rolle der illustrierten printmedialen Machwerke der Rassenideologie während des Nationalsozialismus. Ebenso vermittelt er Einblicke in die Publikationspraxis der ‚Zigeuner‘-Fotografie in der illustrierten Massenpresse der Weimarer Republik („Die Gartenlaube“, „Die Woche“, „Atlantis“, „Arbeiter-Illustrierte-Zeitung“). Das wirklich Hervorstechende an der Studie ist, dass Reuter seine fotografischen Quellen nicht illustrativ verwendet, sondern sie Stück für Stück beschreibt, analysiert und sodann in den ikonologisch-historischen Zusammenhang bringt – eine enorme bildwissenschaftliche Leistung! Mit seinem monumentalen Werk „Der Bann des Fremden“ ist Frank Reuter der große Wurf gelungen – präzise recherchiert, faktenreich, umfassend und spannend geschrieben. Eine grandiose Studie, die methodologisch und quellentechnisch beispielhaft ist für eine interdisziplinäre Bildwissenschaft; ein Standardwerk, das keine Wünsche offen lässt und für die Visuelle Kulturwissenschaft und darüber hinaus seine Zeichen setzen wird." (Rezension von Ulrich Hägele, in: H-Soz-Kult, 03.12.2015, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-21450
I. Voraussetzungen, 23
II. Im Fokus der Täter: NS-»Zigeuner«-Fotografie und Genozid, 131
III. Wurzeln: »Zigeuner«-Fotografie im 19. und frühen 20. Jahrhundert, 311
IV. Fotografische Sichten auf Sinti und Roma nach dem Genozid, 421