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Lückenfüller: Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?

Contains bibliogr. pp. 71-76

Series: Greenhouse Report, 4

ISBN 978-3-942891-12-7

"Die Autoren des Reports, Thomas Schnedler und Malte Werner, analysieren am Beispiel der Region Greiz im thüringischen Vogtland, welche Folgen der Bedeutungsverlust der Lokalzeitung hat. Sie haben im Dialogprojekt „Lückenfüller – Leben ohne Zeitung?“ mit 50 Bürger:innen in der Region darüber gesprochen, wie sie sich informieren. In den Gruppendiskussionen zeigte sich, dass drei interessengeleitete Gratismedien versuchen, die entstehenden Lücken in der Berichterstattung zu füllen.
Erstens werden Amtsblätter und kommunale Social Media-​Kanäle wichtiger, die neben nützlichen Informationen auch Raum für Selbstdarstellung der Verwaltung bieten. Zweitens erscheinen in der Region kostenlose Anzeigenblätter mit einseitigen, polemischen Inhalten und verwischen die Grenze zwischen Werbung, Meinung und Berichterstattung. Drittens betreiben AfD-​​Politiker:innen in Greiz ein eigenes Lokalmedium im Internet. Auf der Webseite berichten sie unter anderem über kommunalpolitische Initiativen der rechtsextremen Partei, ohne die Interessenkonflikte ausreichend transparent zu machen. „Wenn pseudojournalistische Medien im Lokalen erstarken und sich als Sprachrohr einer Gegenöffentlichkeit inszenieren, dann sind das keine guten Aussichten für das Gemeinwesen vor Ort“, sagt Thomas Schnedler, Co-​Autor des Greenhouse Reports. „In Greiz ist es nicht die Nachrichtenwüste, die uns Sorgen macht. Wir warnen vor dem Gift der Parolen, das über rechtsextreme Medien und Social Media-​Kanäle in das journalistische Ökosystem und den öffentlichen Diskurs einsickert.“
Der Report macht deutlich, dass es mehr Angebote zur Förderung von Medienkompetenz braucht, damit Menschen unabhängigen Journalismus besser erkennen und nutzen können. „Vor allem jungen Menschen ist es offenbar nicht mehr so wichtig, aus welcher Quelle sie ihre Informationen erhalten, solange die Darreichungsform ihrem Nutzungsverhalten entspricht“, sagt Malte Werner, Co-​Autor des Reports. Deshalb sei es notwendig, passende digitale Formate zu entwickeln. Wichtig seien zudem ein stärkerer Austausch mit allen Bürger:innen sowie Begegnungsräume, damit der Lokaljournalismus für die Community erlebbar wird. Die Publikation empfiehlt außerdem, die Recherche im Lokalen zu stärken, zum Beispiel durch regionale Rechercheverbünde. Auch die Bürger:innen sehen in diesem Feld Handlungsbedarf: In mehreren Gruppendiskussionen wurde der Wunsch nach mehr Hintergründen und Perspektivvielfalt in der Lokalberichterstattung geäußert." (www.netzwerkrecherche.org)
Einleitung: Im Dialog, 8
Ausgangslage: Drohende Verwüstung, 12
Methodik: Unsere Recherche, 20
ERGEBNISSE, 26
Das Amtsblatt ist (k)eine Alternative, 27
Wunsch nach Orientierung, 31
Gibt es ein Recht auf analoges Leben? 39
Kurz und kostenlos, 44
Parteiliche Presse, 50
Die Heimlichkeiten des Heimatboten, 56
Fazit: Drei Vorschläge, 66